Wasser, Strom…und Internet

Technologie

Das Internet vernetzt Menschen weltweit. Wirklich weltweit? In den Entwicklungsländern ist WLAN weder in Privathaushalten noch auf öffentlichen Plätzen verbreitet. Würde die Möglichkeit für ein flächendeckendes kostenloses WLAN-Netz bestehen?

In Europa ist Internet zu Hause fast überall eine Selbstverständlichkeit, drei Viertel aller Haushalte verfügten im Jahr 2012 über einen Internetanschluss. Doch innerhalb der einzelnen Länder herrschen große Unterschiede: Schweden liegt weit vorne: Rund 93 Prozent aller Haushalte besaßen im Jahr 2013 einen Internetanschluss, in Dänemark sogar 96. In Deutschland sind 79 Prozent online  – doch das ist in anderen Ländern nicht so. Rumänien und Bulgarien haben noch erheblichem Nachholbedarf, sie liegen bei knapp über 50 Prozent. In Entwicklungsländern wie Afrika wird das Internet noch weitaus weniger genutzt:

Anzahl der Internetnutzer je 100 Einwohner in Afrika im Jahr 2010 (c) Statista
Anzahl der Internetnutzer je 100 Einwohner in Afrika im Jahr 2010 (c) Statista
Solarenergie in Assomada, Kapverdische Inseln (c) DM
Solarenergie am Hauptplatz von Assomada, Kapverdische Inseln (c) DM

Wasser, Strom, … Internet?

Auf den Kapverdischen Inseln ist das Internet für die Einheimischen zwar ein Begriff, aber wird nur zu 30 Prozent genutzt. Die Menschen dort besitzen kaum Smartphones. Fragt man in Cafés nach freiem WIFI, wird man fragwürdig angesehen, in der Hauptstadt Praia gibt es genau eins. Doch dafür wird in jeder größeren Stadt auf dem Hauptplatz kostenloses WLAN angeboten. Die Schnelligkeit lässt gerade zu Stoßzeiten eher zu wünschen übrig – skypet einer, kommen die anderen nicht mehr in ihr Emailpostfach. Aber immerhin wird der Service frei zur Verfügung gestellt. Das ist gerade in ärmeren Ländern von weitaus größerer Bedeutung als bei uns. Die Vorteile sind simpel: Einheimische können ihren Verwandten im Ausland Emails schicken, Studenten können auf Online-Lehrmaterialien zugreifen und Touristen können sich genauso schnell und unkompliziert auf Kongressen, Tagungen und Messen geschäftlich oder zu ihrem Vergnügen im Netz bewegen.

In Städten wie London, New York oder Barcelona ist freies WLAN auf der Straße inzwischen eine Selbstverständlichkeit und zeigt den technologischen und städtischen Fortschritt und erhöht den Lebensstandard. In Deutschland, wo fast 80 Prozent das Internet nutzen, gibt es zwar zahlreiche Cafés, die freien WIFI-Zugang haben, jedoch muss dann zumindest ein Kaffee bestellt werden und das stundenlange Surfen ist nicht überall gern gesehen. Wer sich im Sozialstaat also keinen Intergangzugang zuhause leisten kann oder möchte, hat „auf der Straße“ in bisher noch fast keiner deutschen Stadt die Möglichkeit, zum Nulltarif Emails zu checken. Das liegt – wie nicht anders zu erwarten – an der strengen Bürokratie. Denn sollte jemand den Zugang missbrauchen, stellt sich die Haftungsfrage. Hamburg will das mittels Kabelnetzbetreiber willy.tel bis 2016 ändern und flächendeckend drahtlosen Internetzugang anbieten. Die Telekom bietet teilweise eine, Kabel Deutschland eine halbe Stunde gratis Surfen an. Doch all diese Internet-Hotspots sind bislang nur an „Touri-Hotspots“ verfügbar. Bislang nur in Pforzheim kann das WLAN unbegrenzt und überall genutzt werden.

Balinesischer Tänzer (c) DM
Balinesischer Tänzer (c) DM

In Indonesien und Thailand hat man vor drei Jahren etwas Interessantes herausgefunden: Die User wissen bislang nicht über den Zusammenhang von Facebook und dem Internet. Sie glauben, man könne sich Facebook im Store besorgen, geben an, sie würden nicht das Internet nutzen, wohl aber Facebook. Auch in Afrika ist das bislang ähnlich.

Denn Facebook hat bekanntlich das Ziel, die ganze Welt zu vernetzen. Das hat nicht mit dem Internet zu tun, glauben viele. In Indonesien nutzen widersprüchlicherweise 70 Millionen Menschen Facebook, aber nur 37,6 Millionen das Internet. Warum jeder Facebook kennt? Weil Facebook eine ausgeklügeltes Marketing-Strategie hat. Banner und Paywalls poppen auf, sobald man im Internet ist; Facebook ist am einfachsten erreich- und nutzbar, es wird von internet.org zur Verfügung gestellt. Diese Entwicklungsländer sollen aber künftig mit Drohnen und Satelliten besseren Empfang bekommen – möglich ist es also. Man kann hoffen, dass der Zugang und die Nutzung dann über Facebook hinaus gehen.

Internet vs. Facebook Nutzer (c) LIRNEasia
Internet vs. Facebook Nutzer (c) LIRNEasia

Fotocredits: Haberler

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