„Mompreneurs“ : Europas neue Unternehmerinnen

Förderungen

„Mompreneurs“, Mütter, die gleichzeitig Unternehmer sind, haben oft wenig Zeit und wenig Kapital. Dennoch leiten sie erfolgreiche Unternehmen und zeigen, wie der Arbeitsmarkt bald aussehen könnte.

Katja Harbi
MOMPreneurs Meet-Up in Berlin c Katja Harbi

Der jährliche Europäische Unternehmensförderungspreis, der am 02. Oktober während der europäischen KMU Woche in Neapel verliehen wurde, ging an eine „Mompreneur“. Ágnes Vida, die Gründerin des Blogs „Gazdagmami“ ist Mutter von zwei Kindern und eines erfolgreichen Unternehmens. Ihr Blog berät andere Mompreneurs, wie sie ein Unternehmen gründen und leiten können. Zu dem Netzwerk von Gazdagmami zählen mittlerweile rund 70.000 Facebook-Follower, 45.000 Newsletter-Subscribtions, Events im ganzen Land und E-learning Programme.

Gazdagmami füllt eine Lücke in der derzeitigen Arbeitsmarktpolitik der Europäischen Union. Denn dort will man zwar den Zugang zu Teilzeit- oder Vollzeitanstellungen für Frauen verbessern, Selbständigkeit – vor allem für Mütter – spielt aber eine untergeordnete Rolle. Dabei sind die Voraussetzungen für eine Selbständigkeit sehr gut, sagt Esther Eisenhardt, die ein ähnliches Projekt wie Gazdagmami in Deutschland leitet. Ihr Blog „MOMPreneurs.de“ existiert seit Juli 2014 und wächst nach eigenen Angaben stetig. „Ich bin ein ganz großer Verfechter von Arbeit 2.0.“, sagt Eisenhardt. „Weil ich selbst flexibel arbeiten möchte. Mein Mann ist oft unterwegs und ich habe zwei Kinder. Ich brauche ein Set-Up, bei dem ich selbst bestimmen kann, wann und wo ich arbeite. Und das ist auch eine Richtung in die sich, meiner Meinung nach, der Arbeitsmarkt allgemein entwickelt.“

Für die Mütter, die bei „Mompreneurs.de“ Beratung suchen, geht es vor allem um praktische Tipps. „Mompreneurs haben überhaupt keine Zeit“, sagt Eisenhardt. „Das Problem ist, dass es im Internet unzählige Informationen gibt. Ich möchte helfen, indem ich sage, ‚du brauchst das alles nicht zu lesen. Das sind die drei wichtigsten Sachen, die du – sagen wir mal zum Thema “Social Media” wissen musst.‘ Das ist quasi Handwerkszeug, das direkt anwendbar ist.“

c Katja Harbi
Esther Eisenhardt, Gründer von „MOMpreneurs.de“ c Katja Harbi

Zu ihrem Netzwerk gehören mittlerweile Café-Besitzer, Designer, Herausgeber oder Entwickler für nachhaltige Produkte. Dabei muss es nicht immer um die großen Zahlen gehen. Denn KMUs machen in der EU rund 99 Prozent der Unternehmen aus. Was viele nicht wissen: Neun von zehn davon sind Mikrounternehmen, die zwischen einem und zehn Angestellte beschäftigen. Frauen machen insgesamt aber nur rund 30 Prozent der Selbstständigen aus.

Das will Eisenhardt ändern: „Ich möchte vieles vereinfachen, ich möchte Müttern Mut machen. Wer heutzutage einen online Shop starten will, muss das Rad nicht neu erfinden. Es gibt einfach Tools, die da sind. Und das ist, was ich mit meiner Initiative nach außen tragen möchte.“

Foto Titel: Katja Harbi

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